Megapixel Rennen - Bildsensor

Canon hat in den vergangenen Tagen ein ganzes Feuerwerk an neuen Produkten gezeigt – darunter die neuen 5D-Modelle 5Ds und 5Ds R mit rund 53 Megapixel Auflösung. Und um den Vogel endgültig abzuschießen, stellte Canon dann eine Neuauflage eines 120 Megapixel APS-C Sensors vor. Ganz klar: Das Megapixel-Rennen geht in eine neue Runde.

Lange Zeit hatte es dagegen so ausgesehen, als ob die Kamerahersteller das Rennen um immer höhere Auflösungen beendet hatten. Aber mit der Vorstellung der Nikon D800 vor etwa drei Jahren – die mit rund 36 MP die Messlatte deutlich höher gelegt hatte – scheint diese Phase vorbei zu sein.

Aber warum eigentlich? Ich kann diese Gier nach Auflösung nicht nachvollziehen. Ich fotografiere viel mit einer D800 – und schätze die extrem hohe Qualität der Bilder und den großen Dynamikumfang sehr. Aber die 36 Megapixel habe ich eigentlich noch nie gebraucht. Klar, manchmal genieße ich es, nachträglich den Bildausschnitt verändern zu können. Aber an Kunden habe ich Fotos noch nie in voller Auflösung übergeben (von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, wo Fotos für Großflächenplakate genutzt wurden). Meistens exportiere ich die Fotos in Lightroom mit 10-16 MP. Wirklich Vorteile habe ich durch die hohe Auflösung also nicht – aber jede Menge Nachteile! Die D800 ist eine Diva was Objektive angeht – mein altes Sigma 70-200 nutze ich an dieser Kamera eigentlich nur mit einem schlechten Gewissen. Und wer einmal tausende 40-60 Megabyte große RAW-Dateien in Lightroom verarbeitet hat, weiß: Ein normaler Rechner versagt hier ganz schnell.

Bildqualität hat mit Megapixeln nichts zu tun

Bildqualität wird durch viele Faktoren bestimmt – durch den Fotografen, der das Bild gestaltet, durch ein niedriges Rauschverhalten, einen hohen Dynamikumfang (also die Fähigkeit, gleichzeitig sehr helle und sehr dunkle Bildteile abbilden zu können), eine gute Farbwiedergabe, ja auch durch Schärfe. Aber durch Auflösung? Nein, ganz sicher nicht. Mit 16 Megapixel-Auflösung kann man eigentlich alle normalen Anwendungsbereiche abdecken – nicht zuletzt arbeitet Nikons Flagschiff, die ohne Objektiv fast 6000,- Euro teure Nikon D4s, mit diese Auflösung. Aber trotzdem ist heute in den billigsten Spiegelreflexkameras, wie Nikons Einsteigermodell D3300 ein vergleichsweise gigantischer 24MP-Sensor verbaut. Aber wer will bitte mehrere Meter große Ausdrucke?

Objektive halten mit der Auflösung nicht mit

Die Objektive allerdings können mit diesen Auflösungen meist nicht mithalten. Denn: Auch Objektive haben eine Art Auflösung, nur wird die nirgends beworben. Wenn ein Objektiv es nicht schafft, das abgebildete Bild so fein auf den Sensor zu werfen, dass wirklich ein einzelner Pixel einen einzelnen Bildpunkt abbekommt, dann bringt einem die erhöhte Auflösung überhaupt nichts. Dann hat das Foto zwar nominell mehr Pixel, aber dennoch nicht mehr Bildinformationen. Die riesige Datei aber bleibt.

Warum konzentrieren sich die Hersteller, nachdem wir völlig ausreichende Auflösungen erreicht haben, nicht erst einmal darauf, die vielen anderen Baustellen anzugehen? Zum Beispiel im Bereich der Lichtempfindlichkeit oder im Dynamikumfang. Es gibt immer noch so viel zu tun, aber nein, Nikon, Canon & Co. konzentrieren sich auf die Auflösung – vermutlich, weil dies immer noch das beste Verkaufsargument ist. Schade!

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