Test: Sigma 50mm F1,4 DG HSM Art

Was für eine Ansage: Da bringt Sigma –  ein Objektivhersteller, auf den bis vor Kurzem kaum ein Profi vertraut hat – ein Objektiv heraus, welches nicht billiger sondern fast drei Mal so teuer wie das jeweils vergleichbare Objektiv von Nikon oder Canon ist. Das neue Sigma 1.4 50mm aus der Art Linie hat seit seiner Vorstellung im Januar für viel Aufsehen und für wilde Gerüchte gesorgt. Von nie da gewesener Bildqualität war die Rede, von einer Schärfe, die an legendäre Optiken von Zeiss heranreichen solle. Ist das Sigma 50mm 1.4 Art wirklich die stolzen 990 Euro wert, die derzeit bei den Händlern dafür aufgerufen werden? Ich habe mir die neue Optik einmal genauer angesehen.

Wie bei meinen Tests üblich veröffentliche ich keine Labor-Bilder und pixel-genaue Messfotos. Mir ist die Praxis wichtig, die Fotos, die man mit diesem Objektiv machen kann.

Die Brennweite

Die Brennweite des Objektives gehört zu meinen absoluten Favoriten: 50mm, ein sogenanntes Normalobjektiv. Es entspricht in etwa dem menschlichen Sehfeld und daher wirken Fotos besonders natürlich. Für mich ist ein 50mm Objektiv der ideale Reportagebegleiter (was aber reine Geschmacksache ist). Das Feld der 50mm Objektive ist am Markt aufgrund der Beliebtheit dieser Brennweite auch bei anderen extrem gut besetzt. Nahezu alle Hersteller haben gleich mehrere Versionen davon im Programm, meist eines mit einer Blende von 1.4 und eines mit 1.8. Dies – und die hohen Verkaufszahlen – haben zur Folge, dass die Preise von 50mm Objektiven im Vergleich zu anderen Brennweiten extrem niedrig sind. Die Versionen mit 1.8er Blende bekommt man teils schon für 120 Euro, für die bereits sehr guten Nikon und Canon Optiken mit 1.4er Blende werden etwa 330 bis 350 Euro aufgerufen. Will Sigma hier mit fast tausend Euro Erfolg haben, muss das Objektiv also schon etwas großartiges leisten.

Verarbeitung und Ausstattung

Der erste Eindruck der neuen Sigma Linse ist: Man, ist das Teil groß. Das Objektiv wiegt satte 815 Gramm und ist mehr als doppelt so groß, wie die bisherigen Platzhirsche von Canon und Nikon. Das Bild rechts zeigt das Objektiv an einer ja nicht gerade kleinen Nikon D800. Man muss sich darüber im Klaren sein: Unauffällig ist diese Kombi nicht gerade und geht bei längerem Einsatz auch ziemlich auf die Schulter. Hier haben also die kleineren Objektive klar die Nase vorn.

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Verarbeitet ist das Objektiv hervorragend. Wie schon bei den anderen Art Objektiven setzt Sigma hier wieder auf ein sehr schlichtes, fast edles Design, die Haptik ist einwandfrei, der Fokusring präzise und dennoch leichtgängig. Den fehlenden Blendenring bemängelt man heute ja leider schon gar nicht mehr.

Die Ausstattung ist wie bei Sigma üblich sehr gut – das Objektiv kommt selbstverständlich mit einer passenden Gegenlichtblende. Hier können sich andere Hersteller – ganz besonders Olympus! – eine Scheibe abschneiden.

Bildqualität

Aber kommen wir nun zum eigentlich wichtigen Teil: Die Bildqualität.

Die Testfotos sind bei unterschiedlichen Lichtbedingungen entstanden – von sehr hell bis wirklich düster. Bei allen hat der Autofokus extrem schnell und sauber gearbeitet. Der Ultraschallmotor ist pfeilschnell – und relativ leise. Hier gibt es aber wohl leiserere Motoren auf dem Markt.

Die Bildqualität besticht durch eine geradezu brutale Schärfe im Fokusbereich. Wirklich faszinierend, was Sigma hier wieder gelungen ist. Die Qualität schlägt, meiner Meinung nach, sogar das auch schon sehr, sehr gute 35mm aus der Art Linie. Hier einige Beispiele – besonders deutlich wird die Schärfe in der 1:1 Ansicht:

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Sigma 50mm 1.4 DG HSM Art – 1/125 Sek. / f1,4 / ISO 100

 

1:1 Ansicht
1:1 Ansicht

 

Sigma 50mm 1.4 DG HSM Art - 1/1000 Sek. / f2,2 / ISO 160
Sigma 50mm 1.4 DG HSM Art – 1/1000 Sek. / f2,2 / ISO 160
1:1 Ansicht
1:1 Ansicht

 

Das Sigma Objektiv verfügt über eine Blendenöffnung aus neun Lamellen – was eine fast runde Öffnung bewirken soll. Dadurch soll laut Sigma ein ganz besonders schönes, weiches Bokeh entstehen. Und ja, das kann ich bestätigen:

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Sigma 50mm 1.4 DG HSM Art – 1/125 Sek. / f1,4 / ISO 200 – Ein wirklich schönes Bokeh!

 

Das Sigma 50mm 1,4 DG HSM Art – mein Fazit

Sigma hat mit dem neuen Objektiv eine großartige Arbeit gemacht und eines der besten Objektive gebaut, die derzeit am Markt sind. Ja. Absolut. Dennoch fällt mein Fazit nicht ganz so euphorisch aus, wie z.B. bei der 35mm Version von Sigmas Art Linie. Denn wer ist der mögliche Käufer eines solchen Objektives? Im Prinzip kommen nur Fotografen in Frage, die nur auf Schärfe Schärfe Schärfe setzen. Denn die Unterschiede zu den Objektiven von Nikon und Canon sind sicher nicht so brachial, dass sich sonst ein dreifacher Preis wirklich rechtfertigen würde. Und es gibt ja auch Nachteile. Ein kleines und leichtes Objektiv ist nicht zu unterschätzen. Ich nutze sogar oft noch sehr gerne das 1.8er von Nikon – manchmal sogar gerade wegen der kleinen Fehler, die besonders bei Gegenlicht entstehen.

Man muss sich also wirklich Fragen: Ist das letzte Quäntchen Schärfe wirklich so extrem wichtig? Beim 35er war ich begeistert, weil hier – bei gleichen Rahmenbedingungen (wie Größe und Gewicht) Sigma hier ein besseres Objektiv zum kleineren Preis anbietet. Beim 50er sieht das finde ich ein bisschen anders aus. Hier haben wir ein optisch besseres Objektiv, was aber deutlich größer und schwerer und viel teurer ist. Die Zielgruppe, die das wirklich braucht und bei der das wirklich sinnvoll ist, dürfte relativ klein sein. Alle anderen können mit gutem Gewissen zu den günstigeren Alternativen greifen.

4 Kommentare zu „Test: Sigma 50mm F1,4 DG HSM Art“

  1. Sehr gelungener und aufschlussreicher Artikel. Das Objektiv liefert eine unglaubliche Schärfe. Wenn man das einmal gesehen hat, will man sich nicht mehr mit weniger zufrieden geben. Ob es 1000,- € wert ist weiß ich nicht, aber ich habe vor wenigen Tagen aktuell 750,-€ bei einem Elektromarkt bezahlt und das ist das Objektiv allemal wert. Die Schärfe sitzt auf dem Punkt und Größe + Gewicht vermeiden Verwackler bei längeren Belichtungen. Da man die 5d3 Iso-mäßig hochziehen kann, eignet sich die Linse sehr gut für Innenaufnahmen ohne Blitz – auch für Portraits sehr geeignet. Meine wurde gestern geliefert und ich bin sehr zufrieden. Mit der Linse werde ich noch viel Spaß haben.

  2. Danke für den Test-Bericht.
    Eine Bemerkung noch…
    Das 77 mm Filtergewinde ist natürlich auch positiv, man kann also die gängigen Filter der oft bei hochwertigen Nikon-Kameras verwendeten Nikkore 24-70 und 70-200 für dieses Objektiv nutzen.

  3. Ein sehr schöner Bericht über das Sigma 50mm Art. Auch wenn alle Objektive der Art Serie groß und schwer sind, bieten sie sehr viel fürs Geld. Nach dem 24 und 35 wird wohl auch das 50 in naher Zukunft in meiner Kameratasche zu finden sein.

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